Schön sein!

Bauchfrei mit Pumpe

Die Pubertät bombardiert Eltern mit 1000 Fragen zum eigenen Ich. Meine Töchter wollen schön sein. Aber was ist eine gute Figur?  Wieso sind Menschen körperlich so unterschiedlich gebaut? Als Mutter frage ich mich, wie gehe ich mit meinem eigenen Aussehen um, wie selbstbewusst bin ich? Was für Werte vermittle ich? Und wie ist es für meine Tochter, ein cooler Teenager zu werden – mit Insulinpumpe.

Bei uns ist Bauchfrei ein Thema. Klar, die größeren Mädels in der Schule gehen da mit glänzenden, knapp gekleideten Beispiel voran. Shorts und super kurze Shirts. Es soll ja Schulen geben, die diesen Look schon verboten haben. Eigentlich mag ich dieses Outfit persönlich nicht, aber ich möchte meinen Kindern einen eigenen Stil nicht verbieten. Sie sollen selbst entscheiden.

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Kraken haben kein Problem mit bauchfrei! Sie sind ja Kopffüssler!

Allerdings habe ich meine Töchter bisher gebeten, sich in der Schule angemessen zu kleiden, aber bald sollte ich es Ihnen überlassen, wie sie aussehen. Auch hier wieder das Thema „Loslassen“, die Mädels kommen in die siebte Klasse. Mit den bauchfreien Shirts kommt aber die Frage auf, wie umgehen mit den Kollateralschäden der Pumpentherapie.

Meine Tochter hat noch nach 6 Jahren sichtbare Spritzstellen und Narben an den Beinen aus der Zeit der konventionellen Therapie. Außenstehende sehen es vielleicht nicht, aber wir schon. Am Bauch sind ein paar Pölsterchen, die wohl mit den Katheter zu tun haben. Auch unscheinbar, aber sie sind da. Manchmal sind die Katheterstellen noch leicht gerötet, wenn der Alt-Katheter gezogen wurde. Ein Grund, nicht bauchfrei zu gehen? Dürfen nur perfekte Menschen ihren Körper zeigen? Eigentlich nicht.

Der Kult des perfekten Körpers ist ja auch ein Mittel der Unterdrückung der Frauen. Wenn Frauen sich in den letzten 50 Jahren doch nach und nach aus der (furchtbares Wort) patriachalen Unterdrückung befreit haben, aber dieses Ringen um gutes Aussehen wertet Frauen immer noch ab. Der Schönheitsmythos soll meine Töchter nicht kontrollieren. Also sollen sie anziehen, was sie wollen, allerhöchstens gebe ich Tipps, was zum Anlass passt. Und wenn es mein Kind nicht stört, dass man den Katheter sieht, dann ist das ja okay, oder doch nicht? Sollte ich ihr klar machen, dass andere vielleicht blöde gucken, weil sie eine Pumpe trägt. Aber wenn ich so recht überlege, gab es nie eine unerfreuliche Situation wegen dem offenen Tragen der Pumpe und der Katheterstellen.

Trotzdem ist das Wohin mit der Pumpe bei uns Gesprächsthema. Meistens wird die Pumpe in der Bauchtasche in den Hosenbund gestopft und der Katheter offen gezeigt.

Aber wie verhalte ich mich selbst. Als Jugendliche hatte ich Neurodermitis. Ich habe mich damals für die lädierte Haut, die noch lange narbig aussah, geschämt und verdeckte Arme und Beine im Sommer mit langer Kleidung. Später achtete ich wie viele Frauen auf meine Figur und zeigte nur das, was ich meinte zeigen zu können. Ich war wohl in Bezug auf meinen Körper wesentlich eingeschüchterter. Was bekommen meine Kinder heute mit? Ungern zeige ich in der Öffentlichkeit meinen Bauch. Die bis zum letzten Tag ausgetragenen Zwillingsschwangerschaft hat die Haut bis aufs äußerste gedehnt.  Seitdem trage ich keine Bikinis mehr, warum eigentlich nicht? Könnte mir ja egal sein, aber ich will diese unperfekten Stellen niemanden zeigen.

Meine Tochter schert das mit der Insulinpumpe nicht. Das macht mich froh. Sie geht im Bikini schwimmen und der abgekoppelte Katheter ist voll sichtbar. Das einzige, worauf sie achtet, ist, dass die Pumpe unter der Kleidung so drapiert wird, dass es keine komischen Beulen gibt.

Ich bin eigentlich froh, dass sie so offen und entspannt mit dem Diabetes umgeht. Ich werde mir eine Scheibe davon abschneiden. Vielleicht finde ich auch noch einen Bikini, der mir steht. Egal ob der Bauch straff ist oder nicht. Ich denke mal drüber nach!

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5 Antworten auf “Schön sein!”

  1. TippTopp. Du hast Deine Tochter das mitgegeben, was viele Zuckerjunkies noch nicht haben … noch nicht!! Hin und wieder bekommt man es als Elternteil wohl nicht mit, dass man vieles richtig macht :). Ich kenne Mädels und auch Kerle, die den Katheter komplett wegmachen und einfach mit dem Pen korrigieren oder den Katheter so tief setzen, dass dieser einfach nicht mehr sichtbar ist.
    Ich hoffe, dass du bald wieder bauchfrei rumläufst, dir die Meinung der anderen egal ist und deinen Bauch einfach akzeptierst. Bist 100% nicht allein. Es ist hin und wieder hart aber Selbstbewusstsein bekommst du nur, wen du genau das tust, was für dich unbequem ist uuuuund du wirst merken, dass du mehr positive Erfahrungen machen wirst als negative. Da bin ich mir bei dir ganz sicher. Jeder hat sein Päckchen … so what? 🙂

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  2. Liebe Zuckermama,
    Auch für diesen mutigen Artikel vielen Dank! Deine Mädchen haben eine starke, wundervolle Mama als Vorbild-ihr werdet auch die Pubertät mit all ihre Klippen meistern💪
    Und zum Thema Bauchfrei: nach Schwangerschaft und riesiger Narbe quer übern Bauch dank Darmkrebs-Op sieht mein Bauch auch nicht mehr aus wie der einer 17 Jährigen. Aber ich trage im Schwimmbad einen Bikini, weil ich stolz auf meinen Körper bin- und dankbar, weil all seine Macken und Narben doch zeigen dass ich gelebt habe:)
    Liebe sonnige Grüße
    Swantje

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      1. Tschakka👍😉💪vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass neben Schwangerschaft und Narben meine tägliche Tafel Schokolade den Bauch mitgeformt hat…;)
        Wer braucht schon keine Nervennahrung als Diabetesmama…
        LG Swantje

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